Eine Woche im französischen Jura

Eine Woche Resturlaub, der bis Ende September vor dem Verfall gerettet werden muss – aber was damit anfangen? An die Nordsee? In die Alpen? Da fällt mir ein, dass ich schon des Öfteren Leute vom französischen Jura habe schwärmen hören. Ein Blick auf die Karte zeigt, weit ist es dorthin ja nicht. Bis in ein Seengebiet, das mir spontan zusagt, sind es von Freiburg aus gerade mal 270 km. Eine kurze Recherche im Internet mahnt außerdem zur Eile. Einige der Campingplätze schließen zum Ende der Sommerferien ihre Pforten. Also wird kurzerhand Urlaub beantragt, der Wohnwagen gepackt und schon geht´s los…

 

Aber was erwartet einen in diesem Mittelgebirge, das sich in einem gestreckten Bogen von Basel bis südlich des Genfer Sees zieht? Zuerst einmal macht mich der Name stutzig: Jura. Klar, ein Erdzeitalter. Aber was noch? Wikipedia verrät, dass Jura nichts mit dem lateinischen „ius, iuris“, der Rechtsprechung, zu tun hat, sondern sich vom keltischen Wort „Jor“ ableitet, was Waldland bedeutet. So, schon ein bisschen schlauer.

Der landschaftliche Unterschied zu Schwarzwald und Vogesen wird deutlich, wenn man ins Jura einfährt: immer wieder lugen Bänder weißer Kalkfelsen zwischen den noch sattgrünen Buchenwäldern hervor. Die Jura-Schichten entstanden erst vor rund 150 Mio. Jahren und sind Ablagerungen eines Meeres, dessen ehemaliger Boden verfestigt und nun, viele Millionen Jahre später, wieder emporgehoben wurde. Die helle Färbung weist auf das kalkhaltige Ausgangsmaterial hin, nämlich Korallen, Muscheln, Mikroorganismen und anderem urzeitlichen Meeresgetier. Der basische Boden bedingt - im Vergleich mit den bodensauren Schwarzwald und Vogesen - auch eine andere (Begleit-)Vegetation, die sich nun im ausgehenden Sommer aber nicht mehr augenscheinlich abhebt. Zur Blütezeit ließen sich die Unterschiede aber wohl deutlich ausmachen.

Auf dem einfach ausgestatteten, aber sehr schön am Lac de Narlay gelegenen Campingplatz ist nicht mehr wirklich viel los. Insgesamt vier Tage und Nächte verbringe ich hier. Langweilig wird es nicht. Etliche wunderschöne Seen wollen erkundet werden, so der Lac du Vernois, der Petit und der Grand Maclu, der Lac d´Ilay und der Lac de Bonlieu. Ich kann schwerlich sagen, welcher mir am besten gefiel. Auch die bekannten Wasserfälle des Herisson sind nicht weit. Der Herisson ist ein wunderschönes kleines Flüsschen, das sich über bis zu 60 m hohe Wasserfälle in die Tiefe stürzt. Leider zeigt auch hier der trockene und heiße Sommer seine Nachwirkungen, der Bach führt extremes Niedrigwasser.

 

Als nächstes Ziel habe ich mir den Hochjura ausgesucht. Standort war der am Flüsschen Flumen gelegene Campingplatz in Saint Claude. In der Landkarte waren knapp oberhalb des Campingplatzes „gorges“ (Höhlen) und „cascades“ (Wasserfälle) verzeichnet, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte… und wurde beileibe nicht enttäuscht. Der Flumen hat sich eine relativ steile Schlucht geschaffen mit üppiger und noch sehr natürlicher Vegetation. Die Baumstämme waren oft von dicken Moospolstern eingehüllt, was ich in diesem Ausmaß so noch nicht gesehen habe. Das Tal endete in einem großen Felskessel. Linker Hand stürzte der eigentliche Bach rund 20 Meter in die Tiefe, rechts gab es noch Sturzquellen, das Wasser ergoss sich also direkt aus dem Fels – herrlich!

Am vorletzten Tag meines Aufenthaltes fuhr ich dann noch in das Naturschutzgebiet „Haut Chaine du Jura“. Perlschnurartig reihen sich bei diesem Höhenzug die höchsten Gipfel des Juras auf, wobei der Crêt de la Neige mit 1.720 m+NN alle anderen überragt. Ich stieg in einer guten Stunde zum Grand Montrond auf und befand mich dann auf knapp 1.600 m Meereshöhe. Was die Aussicht betraf war ich eher enttäuscht. Nach Osten hin zeigte sich der Genfer See und die Stadt Genf, dahinter die Alpen. Überdeutlich Spuren der Zivilisation trübten aber das Bild, die Gegend ist halt sehr zugebaut. Im Westen erhoffte ich mir schön gestaffelte Jura-Ketten, wobei sich auch diese Hoffnung nur ungenügend erfüllte. Gämsen und Zitronenzeisige entschädigten dann doch noch die Mühen.

 

Abschließend kann ich für mich feststellen, dass sich der Kurzurlaub voll rentiert hat. Neben einer wunderschönen und eher leisen, unaufdringlichen Landschaft findet man hier viel Ruhe und Einsamkeit. Perfekt zum Abschalten. Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal dort…


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Kommentare: 1
  • #1

    Tanja Voigt (Sonntag, 24 Januar 2016 19:55)

    Ich stimme Dir zu...eine sehr schöne Gegend und vor allem nicht überlaufen..Natur pur. Baumes-les-Messieurs und das Loue Tal hat mir auch sehr gefallen. Das Hochjura möchte ich auch noch erkunden, Deine Fotos sehen vielversprechend aus. Gruss aus Fronkreisch