Naturfotografie in Island - Teil 2

Ausgehend vom östlichsten Punkt unserer Reise, dem wenig Charme versprühenden Ort Höfn, ging es auf der Ringstraße wieder den gleichen Weg zurück. Erst jetzt stellten wir fest, wie groß Island eigentlich ist: rund 400 km legten wir an einem Tag zurück und selbst diese Distanz umfasste nur einen Teil der Südküste! Unsere nächste Zwischenstation sollte der kleine Ort Laugarvatn im Zentrum des „Goldenen Dreiecks“, dem „Golden Circle“, sein. Wenn

man Island besucht, dann ist diese Gegend eigentlich Pflicht.

Sie bietet zwar aus naturfotografischer Sicht nicht die ganz großen Motive - denn viele der landschaftlichen Attraktionen sind stark überlaufen und auch mit touristischer Infrastruktur zugepflastert - aber gesehen haben sollte man sie trotzdem. Als da wären der für seine Gattung namensgebende, aber mittlerweile inaktive "Geysir" und sein Nachbar Strokkur, der rund alle 10 Minuten eine ansehnliche Fontäne in den Himmel spuckt. Man findet Thingvellir, einen historisch bedeutsamen Versammlungsort der Isländer, der am größten See Islands, dem Thingvallavatn, liegt. Außerdem kann man hier zahlreiche Spalten begutachten, die vom Auseinanderdriften der eurasischen und nordamerikanischen Kontinentalplatten zeugen – Geologie live! Nicht zuletzt sei der wasserreiche Wasserfall Gullfoss erwähnt.

Besonders haben wir uns über die Begegnung mit den putzigen Odinshühnchen gefreut. Diese winzigen Limikolen haben die für Naturfotografen erfreuliche Eigenschaft, sich Menschen gegenüber sehr zutraulich zu zeigen. Und so kamen sie, als wir mit unseren Teles am Strand des Laugarvatn lagen, immer wieder auf rund 1 Meter Entfernung herangetrippelt oder -geschwommen, was bei einer Naheinstellgrenze des Objektivs von 5 Metern natürlich sehr blöd ist.

Nächste Station war die Snaefellsness-Halbinsel, die uns sehr begeistert hat. Neben dem Charakterberg Kirkjufell, der zusammen mit dem Kirkjufellsfoss eines der beliebtesten Motive Islands zu sein scheint (zumindest wenn man dieser

Feststellung das Fotografen-Aufkommen zugrunde legt), gibt es viele weitere interessante und fotogene Gebiete, von denen an dieser Stelle nur noch die Felsküste bei Arnarstapi Erwähnung finden soll.

Mit der Fähre Baldur setzten wir schließlich über auf die Westfjorde, wo uns mit dem kilometerlangen Vogelfelsen Latrabjarg eines der Highlights unserer Reise bevor stand. Dort waren wir mit Ruth und Walter Huber verabredet, befreundete Mitglieder der GDT-Regionalgruppe Baden. Glücklicherweise waren am Latrabjarg dieses Jahr wieder etwas mehr Lundis (=Papageitaucher) anwesend. Letztes Jahr schien ein in dieser Hinsicht sehr schlechtes gewesen zu sein. Allerdings werden die vor längerer Zeit dort anzutreffenden Individuenzahlen leider bei weitem nicht mehr erreicht. Mit etwas Vorsicht kann man die buntschnabeligen Alke sogar mit dem Weitwinkel ansprechend in Szene setzen. Auch Tordalke, Dreizehenmöwen, Trottel- und Dickschnabellummen, Eissturmtaucher und Eismöwen waren gut zu beobachten und zu fotografieren.

Einen beträchtlichen Teil unseres restlichen Island-Aufenthalts verbrachten wir damit, die Finger der Westfjorde abzufahren. Unsere fotografischen Aktivitäten gingen nun merklich zurück, was vermutlich auch einer gewissen Sättigung zuzuschreiben war. Mit Prachteiderente, Eistaucher und Gryllteiste konnten wir aber tolle Vogelbeobachtungen machen.

Rückblickend waren es sehr schöne, spannende, aber auch sehr anstrengende Tage auf Island. Denn möchte man während der weißen Nächte das beste Licht nutzen, ist man gezwungen, nachts zu fotografieren. Was nicht so schlimm wäre, müsste man nicht am nächsten Tag um 10 h schon wieder das Zimmer räumen. Notgedrungen verzichtet man dann gelegentlich auf den eigentlich notwendigen Schlaf. Das Ganze gipfelte darin, dass wir einmal 30 h am Stück wach waren. Aber was nimmt man als Naturfotograf nicht alles auf sich und das alles wegen ein paar bunten Bildchens…


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Christoph Dangelmaier (Donnerstag, 17 September 2015 09:50)

    Lieber Joachim,

    erstmal Gratulation zur neuen Homepage, gefällt mir sehr gut.

    Aufgrund deiner großartigen Fotos und den sehr lesenswerten Blogeinträgen werde ich auf jeden Fall regelmäßig hier vorbeischauen.

    Viele Grüße
    Christoph