Frühling mit Waldkauz

Seitdem ich vor zwei Jahren zufällig das Nest eines Waldkauzes entdeckt habe, hat mich diese Art nicht mehr losgelassen. Zu schön war es, diese wunderbaren Vögel zu beobachten und fotografieren und so auch irgendwie Teil der Waldkauz-Familie sein zu dürfen. Ich habe damals sehr viel Zeit bei diesen wunderschönen Vögeln verbracht und für meinen Geschmack auch durchaus ansehnlich Bilder gemacht. Sie hatten nur einen Makel: ich kannte nur einen regelmäßig aufgesuchten Tageseinstand - und so begann sich schon nach kurzem das Motiv zu wieder- und zu überholen.

Nachdem schließlich die Jungen ausgeflogen waren, wurde es nochmals deutlich schwieriger die heimlichen Tiere im nun schon dicht geschlossenen Blätterdach aufzuspüren, so dass ich das Projekt schließlich beendete. Versuche, sie über die Wintermonate zu fotografieren scheiterten, weil sie nicht mehr auffindbar waren. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich seitdem damit verbrachte, diese aber auch "neue" Waldkäuze zu suchen. Ziemlich viele. Und vergeblich.

Waldkauz-"Toilette"
Waldkauz-"Toilette"

Bis zu diesem Frühjahr. Da hat es sich wieder einmal ausbezahlt, etwas länger im Wald zu verweilen. Denn ich konnte beobachten, wie in der Dämmerung ein Waldkauz einen Baum anflog. Tags darauf war ich wieder dort, um meine Beobachtung zu verifizieren, was gelang. Ein neuer Niststandort war gefunden! Es ist immer etwas schwierig, den aktuellen Status von Waldkäuzen in Erfahrung zu bringen, sofern - wie das auch beim letzten Mal schon der Fall war - der eigentlich Neststandort nicht einsehbar ist. Von daher versuchte ich aus dem Verhalten der Tiere zu lesen, ob die Balz schon im Gange ist, ob die Eier schon gelegt sind, ob sie bebrütet werden, ob die Jungen schon geschlüpft sind und wann diese das Nest verlassen werden. Denn das war für mich ein wichtiger Punkt, weil ich nur zu gerne einmal einen bodennah sitzenden Ästling, wie die noch nicht flugfähigen kleinen Waldkäuze genannt werden, finden wollte. Unglückliche Umstände ließen mich aber gerade zu dieser Zeit nicht vor Ort sein. Immerhin habe ich noch eines der vermutlich insgesamt zwei Jungen später gefunden, als es wenigstens noch nicht ganz so weit oben in den Bäumen saß, wie die Tiere das mit zunehmenden Alter machen.

Für mich war es mal wieder die Bestätigung, dass sich Geduld und Beharrlichkeit beim Suchen und Finden von Tieren, aber auch in der Naturfotografie ganz allgemein auszahlen. Denn nur aus diesem Grund war mir in diesem Jahr ein wunderbarer Frühling mit Waldkauz vergönnt...

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan (Montag, 05 Juni 2017 11:11)

    Hi Joachim,

    wunderschöner Blogeintrag - mein Neid ist dir sicher. Ich kann mich gar nicht entscheiden welches Bild mir am besten gefällt.

    LG Stefan

    PS: da hab ich dann ja noch Arbeit vor mir :-)