Durch das wilde Korsika...

Les Calanques de Piana
Les Calanques de Piana

Bereits im vergangenen Jahr entschieden Torsten, Ralph und ich einen gemeinsamen Fotourlaub zu verbringen. Die Zeit um und nach Ostern schien uns hierfür günstig. Nach einigem Überlegen, wohin die Reise letztlich gehen sollte, fiel unsere Wahl auf eine Insel im Mittelmeer - Korsika! In unserem jugendlichen Leichtsinn versprachen wir uns aufgrund der südlichen Lage gegen Ende April ein angenehmes, weil mediterranes Klima. Während jedoch in der Heimat bei Sonne satt und 25°C Ostereier gesucht wurden, hatten wir stattdessen mit einstelligen Temperaturen, zum Teil heftigem Sturm und mitunter ausdauerndem Regen zu kämpfen.

Des Wetters wegen hätten wir nicht unbedingt überrascht zu sein brauchen, wussten wir doch aus dem Studium der Reiseberichte anderer, dass das gebirgige Korsika zu dieser Zeit nicht zwingend Wohlfühltemperaturen aufweist. Zumal sich unsere erste Unterkunft in Cristinacce im Westen der Insel auf knapp 800 m Meereshöhe befand. Neben einer guten Erreichbarkeit der roten Felsküste der Calanques de Piana wollten wir uns hier auch dem legendären und - wie der Name schon andeutet - endemischen Korsenkleiber widmen. Aber dazu in einem späteren Blogpost mehr...

Wer noch nie auf Korsika war hat durchaus was verpasst. Die ihr immer wieder zugeschriebene Wildheit hat sich noch an vielen Stellen bewahrt. Ihr zerklüftetes Relief sorgt dafür, dass sich die Erschließung vieler Gebiet als schwierig gestaltet. Auch lassen sich die kargen Böden nur schwer bewirtschaften, was dazu führt, dass das "Halten" von mehr oder weniger wilden Hausschweinen in den Wäldern die einzige landwirtschaftliche Nutzung bleibt. Für unsere naturfotografischen Absichten hieß das auch, dass sich die Suche nach geeigneten Fotolocations ebenfalls nicht ganz einfach gestaltete. Entweder waren die Hänge zu steil, der Wald bzw. die Macchie zu dicht oder es gab schlichtweg keine geeignete Haltemöglichkeit, um das Auto sicher abzustellen.

Wir hatten angesichts der Jahreszeit auch mit mehr Vielfalt gerechnet, sowohl die Vegetation betreffend, als auch die Insektenwelt. Orchideen fanden wir nur vereinzelt und auch Krabbeltiere waren eher rar. So kam es, dass wir uns verstärkt mit der eher witterungsresistenten Avifauna beschäftigten. Neben dem schon erwähnten Korsenkleiber erwecken auch Korallenmöwe, Korsengirlitz, Moltoni-Bartgrasmücke und Sardengrasmücke die Aufmerksamkeit des ornithologisch Interessierten, denn für sie stellt Korsika eines ihrer wenigen Vorkommensgebiete dar. Uns kam dabei zugute, dass wir mit Ralph einen ausgesprochenen Spezialisten in ornithologischen Belangen unter uns wussten. Ein beliebiges Piepen in einem Busch und schon hatte er die korrekte Art-Ansprache parat!

Nach rund der Hälfte unserer knapp zehntägigen Reise verlagerten wir unseren Standort in den Ostteil Korsikas. Das Meer von unserer Unterkunft im kleinen Örtchen Alistro aus fest im Blick war es hier nun auch deutlich wärmer und das Wetter freundlicher. Hier erwartete uns ein sehenswertes Feuchtgebiet, in dessen Umfeld wir Rotflügel-Brachschwalbe, Rotkopfwürger, Cistensänger, Seidensänger, Bienenfresser, Brachpieper und etliche andere Arten beobachten und porträtieren durften. Einen sehr versöhnlichen Abschied machte uns schließlich ein Pärchen Zwergohreulen, das nur wenige Schritte von unserer Unterkunft in einer alten Pappel nistete und sich am letzten Abend noch im Schein der Taschenlampe zeigte...

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